
Lina Maria Pietras teilt offen ihre Erfahrungen als Frau mit Behinderung und setzt sich in ihrer Arbeit mit Fragen von Inklusion, Teilhabe und gelebter Vielfalt auseinander.
Sie lebt mit einer genetischen Netzhauterkrankung, die ihr Sehvermögen auf unter 4% reduziert hat, und beschreibt, wie dieser Umstand ihren Blick auf das Leben, auf sich selbst und auf das Wesentliche verändert hat. Dabei formuliert sie für sich den Leitsatz: „Grenzen existieren nur im Kopf.“
Sie arbeitet unter anderem als Business-Coach, Autorin und Speakerin und bringt dabei stets ihre persönlichen Erfahrungen ein. Im Mittelpunkt steht für sie weniger das Erreichen äußerer Ziele als die Auseinandersetzung mit inneren Haltungen, Grenzen und Möglichkeiten.
Im Interview teilt Lina ihre ganz persönliche Geschichte:
„Ich lebe mit einer Behinderung. Und nein – das ist nicht das Dramatischste an meiner Geschichte. Sondern eher das, was sie so besonders macht. Als Kind dachte ich, dass ich mit meinen großen Büchern und Brillengläsern am besten unsichtbar wäre. Heute denke ich: Mein Handicap ist wie ein Filter. Es zeigt mir, was wirklich zählt. Ich bin fast blind – aber ich sehe klarer denn je. Nicht mit den Augen. Sondern mit dem Herzauge.“
Der Weg dorthin war kein gerader. Lina beschreibt Phasen von Selbstzweifeln, Rückzug, Wut und Schmerz, aber auch den Moment, in dem Vertrauen, Fokus und Entscheidungskraft Raum bekamen. Sie hat gelernt, dass es nicht darum geht, „trotz“ einer Einschränkung glücklich oder erfüllt zusein, sondern genau „mit“ ihr.
In Anlehnung an Antoine de Saint-Exupérys „Der kleine Prinz“ zieht sie einen Vergleich zu ihrer eigenen inneren Reise:
„So wie der kleine Prinz durch die Wüste reist, bin ich durch meine eigenen inneren Planeten geflogen. Und weiß heute: Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“
Lina ergänzt: „Danke, Antoine. Danke, Leben. Und danke, Nathalie, dass du mit „Achterbahn des Lebens“ einen Ort schaffst, an dem das Herz wichtiger ist als der Lebenslauf.“
Was ihr auf diesem Weg geholfen hat, fasst Lina so zusammen:
- der Fokus auf das Machbare – nicht auf das Fehlende
- der Mut, Grenzen zu setzen und auch mal laut „Nein“zu sagen
- die Erlaubnis, nicht perfekt sein zu müssen, sondern echt
- und ein Satz, der sie bis heute begleitet:
„Du kannst nicht entscheiden, was dir das Leben serviert – aber ob du Limo daraus machst, liegt bei dir.“
In ihrem Buch HERZAUGE beschreibt Lina ihren persönlichen Weg und teilt Gedanken zu Selbstakzeptanz, Veränderung und innerer Haltung.
Darüber hinaus engagiert sich Lina öffentlich für Inklusion und gelebte Vielfalt, unter anderem im Rahmen von Veranstaltungen und im Austausch in sozialen Netzwerken.